Grunge auf Leinwand: Wenn man die Bilder von Riccardo Raul Papavero betrachtet, spürt man sie fast – eine vibrierende Energie, die zwischen Musik, Film und Farbe oszilliert. Beim Bazaar Berlin hat er mir seine Geschichte erzählt.

Die Werke von Riccardo Raul Papavero sind laut und leise zugleich, roh und doch fein komponiert. Sie erzählen von Sehnsucht, Zufall und einer ungebändigten Lust am Leben.
Die Kunst des Unperfekten
„Ich wollte eigentlich Sänger werden“, erzählt mir Riccardo und lacht. „Das hat zwar nicht geklappt, aber Grunge ist bis heute die Stimmung, die mich antreibt. Sie ist in allem, was ich tue.“ Diese Stimmung übersetzt er in seine Kunst: zerbrochene Rahmen, bunte Farben, verrostete Oberflächen. Er behandelt Bilderrahmen mit Säure, lässt sie altern, oxidieren, um jedem Motiv seinen eigenen Charakter zu verleihen.
Seine Liebe zum Alten, zum Unperfekten zieht sich wie ein roter Faden durch Riccardos Arbeiten. Inspiration für seine Bilder ist Musik, aber ebenso stark sind Einflüsse aus Film, Mode und Magazinkultur. „Ich liebe Frauen, Filme, Zeitschriften und Musik – das alles vermischt sich in meinem Kopf zu Bildern“, berichtet Riccardo, als ich ihn Berlin treffe. Bis ein Motiv fertig ist, dauert es unterschiedliche lange, denn oft fallen ihm die Ideen unterwegs ein oder wenn er einfach in Ruhe ist.
Neue künstlerische Ausdrucksformen
Sein Weg zur Kunst begann vor rund zehn Jahren eher zufällig. Im Jahr 2003 bringt ihn die mühsame Suche nach dem Poster des Kultfilms Buffalo ’66 von Vincent Gallo dazu, durch Geschäfte zu streifen, aber leider erfolglos. Von einem Freund bekommt er schließlich das gewünschte Bild, doch es entspricht ganz und gar nicht Riccardos Empfindungen zum Film. So beginnt er, das Motiv auf Holz zu einem anderen Leben zu erwecken. Er wählt einzelne Filmsequenzen aus, zerteilt und dekomponiert sie und gestaltet daraus eine Collage, die Malerei und Digitaldruck, Handwerkskunst und neue Technologien miteinander verbindet.
Leidenschaft für Kunst
„Ich habe es einfach verändert, so, wie ich den Film fühle“, sagt er. Dieses erste überarbeitete Poster wurde zum Auslöser einer Leidenschaft. Seine Schwester erkannte das Potenzial und organisierte eine kleine Vernissage. Das Ergebnis: Alle Bilder verkauften sich noch am selben Abend. Kurz darauf entschied sich Riccardo für den Schritt in die Selbstständigkeit und machte Kunst zu seinem Lebensweg.
Farben im Blut
Kunst liegt bei Riccardo Raul Papavero buchstäblich in der Familie. Seine Mutter ist selbst Malerin, sie kreierte Collagen auf Holz. „Ich bin mit Farben und Pinseln aufgewachsen und schon als Kind stand ich im Atelier meiner Mutter, umgeben von Leinwänden, Farbgläsern und Bildern“, so Riccardo. Heute fließen all seine Leidenschaften in seine Werke ein – Surfen, Mode, Musik, Kino. Seine Arbeiten sind ein Spiel mit Motiven und Materialien wie eine grungehafte Melodie: rau, ehrlich, manchmal dissonant, aber immer mitreißend. Ich bin begeistert, was sagt ihr?

















